Eine gute Tomatensaison geht dem Ende entgegen und es kann über unsere Ergebnisse berichtet werden. Diese Jahr konnten sich die Sortenkandidaten S14 und S25 zusammen mit der Referenzsorte Resibella im kleingärtnerischen Anbau beweisen, zusammen mit einer unbekannten Fleischtomatensorte aus Rumänien. Der Anbau erfolgte wieder auf einem mit Folie gemulchten Beet, das zusätzlich noch mit etwas Naturmulch abgedeckt wurde, um ein übermäßiges Aufheizen der schwarzen Mulchfolie zu verhindern. Gegossen wurden die Tomaten nur einmal direkt nach dem Auspflanzen, da parallel zur Robustheit gegen Krautfäule auch die Eignung für den extensiven Anbau ohne Bewässerung getestet werden sollte.

Wetterverlauf

Der Wetterverlauf im Sommer war aus gärtnerischer Sicht wieder einmal herausfordernd, auch wenn wir von den andernorts aufgetretenen Hitzerekorden verschont blieben. Die Durchschnittstemperatur lag während des gesamten Sommers über dem langjährigen Mittel, besonders deutlich im Juni mit +3°C zur Referenzperiode 1991 – 2020. Nennenswerter Niederschlag fiel zwischen Ende Juni und Ende August nur während kurzer Gewitter, oft räumlich eng begrenzt. In unserer Gartenanlage hatten wir das Glück, zwar einige Gewittergüsse abzubekommen, beim Hagel aber verschont geblieben zu sein. Die Tomaten konnten unter diesen Bedingungen auch ohne Bewässerung gut gedeihen und reichlich Früchte ansetzen.

Pflanzengesundheit

Wie bereits im Zwischenstand berichtet, gab es bei den Sortenkandidaten S14 und S25 bis Ende August keinerlei Anzeichen von Blattkrankheiten. Die Pflanzen waren bis zu den untersten Blättern grün und zeigten ein gesundes Wachstum. Anders als im klassischen Stabtomatenanabu wurden in der Versuchsanlage die alten Blätter an der Pflanze gelassen, um Unterschiede in der Pflanzengesundheit frühzeitig erkennen zu können.

S14 am 22.August
S14 am 4. September
S25 am 4. September

Die Referenzsorte Resibella erwies sich trotz ihres Namens als nicht sonderlich resistent. Bereits ab Anfang August waren auf den älteren, bodennahen Blättern gelbe und braune Verfärbungen zu sehen, die sich im Laufe des September auf die übrigen Blätter und teilweise auf den Stängel ausbreiteten. Zum Ende des Anbauversuchs Anfang Oktober waren drei von vier Pflanzen der Sorte Resibella bereits abgestorben.

Resibella am 4. September: Untere Blätter sind befallen.
Detailfoto von Resibella am 4. September

Das Befallsbild auf den Blättern deutet auf Alternaria solani, die Dürrfleckenkrankheit hin. Später kam besonders im Bereich des Stängels bei den bereits geschwächten Pflanzen noch Phytophthora infestans, die Kraut- und Braunfäule hinzu.

Auch S14 und S25 zeigten sich zum Ende der Saison hin nicht vollständig immun gegen P. infestans. Vielleicht auch aufgrund des starken Befalls der direkt daneben angebauten Resibella zeigten sich auch an den beiden Sortenkandidaten zunehmend braune Stellen an Blättern sowie die typischen braunen Verfärbungen der Stängel. Geiztriebe wuchsen weiterhin gesund weiter und sicherten anscheinend noch ausreichend die Photosynthese, so dass die meisten Früchte noch recht gut ausreifen konnten.

S25 am 10. Oktober, deutliche Anzeichen von P. infestans
Anbauversuch am 10. Oktober: Alle Pflanzen sind in unterschiedlichem Stadium von P. infestans befallen.

In Anbetracht des späten Auftretens der Krautfäule, der guten Reife der Tomatenfrüchte und insbesondere im Vergleich zur Referenzsorte erscheinen die Sortenkandidaten weiterhin anbauwürdig.

Interessant war auch der Vergleich mit einer weiteren, unbekannten Fleischtomatensorte. Die Pflanzen waren ein Geschenk eines Gartenfreunds aus Rumänien und stammten aus einer dortigen Gärtnerei. Als Standort wurde das letzte freie Stückchen Beet genutzt, direkt am Holzzaun und nachmittags durch einen jungen Obstbaum beschattet. Trotz dieses nicht idealen Standorts gediehen diese Pflanzen prächtig und zeigten bis zum ersten Frost am 14. Oktober kaum Anzeichen von Blattkrankheiten. Leider konnte die Sorten noch nicht ermittelt werden. In der Hoffnung, dass es nicht nicht um eine F1-Hybride handelt, wurde auch von diesen Pflanzen Samen für einen Anbau im nächsten Jahr gewonnen.

Unbekannte Fleischtomate am 16. September
Unbekannte Fleischtomate am 10. Oktober

Ernte

Ende Juli konnten die ersten reifen Tomaten geerntet werden, zuerst von der relativ kleinfruchtigen Sorte Resibella. Anfang August kamen dann auch die beiden Sortenkandidaten S14 und S25 dazu. Wie bereits 2025 wurde die Ernte pro Pflanze gewogen und das Gewicht sowie die Anzahl der geernteten Früchte protokolliert.

Die großfruchtigen Sortenkandidaten S14 und S25 waren deutlich ertragreicher als die Referenzsorte. Beide Sortenkandidaten erreichten einen Ertrag von durchschnittlich über 3 kg pro Pflanze, ein hervorragender Wert für Stabtomaten im Freilandanbau.

Gesamtertrag pro Pflanze

Bei S14 war ein deutlicher Unterschied im Ertrag zu erkennen, der möglicherweise durch Unterschiede im Standort verursacht wurde. S14.1 und S14.4 hatten links im Beet neben Paprika einen etwas freieren Stand als S14.9 und S14.11 rechts im Beet zusammen mit Wassermelonen. S14.4 hatte rechts ab Mitte Juni keinen Nachbarn und damit volle Sonne, da die dort gepflanzte S25.5 ein Opfer der Wühlmäuse wurde.

Ertragsverlauf pro Sorte

Beim Ertragsverlauf macht sich der höhere Befall mit Blattkrankheiten bei der Referenzsorte bemerkbar. Der Ertrag ging ab Ende September zurück und viele der noch an den Pflanzen befindlichen Früchte wurde nicht mehr reif. Auch die Fruchtqualität ließ bei Resibella zum Ende der Ernte hin deutlich nach. Die Früchte wurden zunehmend mehlig und fad im Geschmack.

Fruchtgewicht pro Pflanze

Beim Fruchtgewicht zeigt sich bei den Sortenkandidaten eine recht breite Streuung, die 2025 bereits bei S14 festgestellt wurde. Das Durchschnittsgewicht von S14 und S15 lag bei knapp über bzw. knapp unter 100 Gramm, wobei auch sehr große Früchte von 300 bis 400 Gramm auftraten. Erfreulicherweise waren auch diese großen Früchte meist von guter Qualität. Es traten kaum Platzer oder unvollständig ausgereifte Früchte auf. Einzig Schneckenfraß stellt bei feuchter Witterung für die relativ weichschaligen Früchte ein Problem dar und kann zu Verlusten führen. Geschmacklich waren die Sortenkandidaten der Referenzsorte deutlich überlegen, ebenso in Bezug auf die Fruchtqualität. Die Früchte hatte ein sehr angenehmes Aroma, waren recht süß bei angenehmer Säure.

Fazit

Auch in diesem Jahr hat unser Anbauversuch nicht nur interessante Erkenntnisse hervorgebracht, sondern auch einen recht ansehnlichen Ertrag unter extensiven Anbaubedingungen. Die Sortenkandidaten S14 und S25 haben unserer Meinung nach durchaus das Potential einer guten Sorte für den Hobbyanbau im Freiland. An einer Weiterzucht im kommenden Jahr beteiligen wir uns wieder gern.